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Sieben Minuten schneller, dafür schlechter


Eine Sanduhr, deren Körner nach oben rieseln statt nach unten
Grafik: von einer KI programmiert und gerendert

Der Beitrag lief mir gestern über den Weg, und handwerklich ist er tadellos. Pfeile statt Aufzählungszeichen, ein „bookmark this post for later", drei Werkzeuge, drei Beispielprompts. Die Kernaussage steht gleich im ersten Satz: Copilot automatisiere Stunden von Arbeit.

Was das konkret heisst, folgt als Liste. Datenanalyse in Excel. Dokumente in Word. Fertige Präsentationen in PowerPoint.

Dazwischen steht ein Satz, der mich stutzig gemacht hat: „Most people have Copilot access but don't know what it does."

Der erste Teil stimmt vermutlich. Der zweite auch. Nur folgt aus beidem nicht das, was der Beitrag daraus macht.

Der Zugang, den die meisten haben, kann das alles nämlich nicht.

Copilot ist längst kein Produkt mehr, sondern ein halbes Dutzend. Der kostenlose Copilot — der im Browser, der in Windows, der in der App — arbeitet nicht in Word, Excel und PowerPoint. Das ist keine Auslegungsfrage, Microsoft schreibt es selbst in die Support-Dokumentation.

Was der Beitrag beschreibt, ist Microsoft 365 Copilot. In Deutschland kostet der 26 Euro pro Nutzer und Monat bei jährlicher Zahlung, die kleinere Fassung für kleine Unternehmen 15,60 Euro. Privat steckt er in Microsoft 365 Single und Family, dort allerdings mit 60 Guthabenpunkten im Monat — und nur für den Abo-Inhaber, nicht für die fünf anderen Personen, die im Familientarif mitfahren. Als Copilot im Januar 2025 in diese Abos kam, stieg der Jahrespreis um dreissig Euro.

Wer den Beitrag liest und denkt „habe ich doch", hat es mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht.

Das wäre für sich genommen nur eine Ungenauigkeit. Interessanter wird es beim Hauptversprechen, denn das hat jemand nachgemessen.

Das britische Handelsministerium hat Microsoft 365 Copilot drei Monate lang erprobt: tausend Lizenzen, ab Oktober 2024, mit einer Vergleichsgruppe von Kolleginnen und Kollegen ohne Lizenz. Beide Gruppen bearbeiteten dieselben Aufgaben, jemand stoppte die Zeit und bewertete das Ergebnis. Der Bericht ist öffentlich, 54 Seiten, und er ist erfreulich unaufgeregt.

Zwei Ergebnisse stehen auf Seite 30, und beide betreffen ausgerechnet die Werkzeuge, für die der LinkedIn-Beitrag am lautesten wirbt.

Datenanalyse in Excel: Die Copilot-Gruppe brauchte 25:01 Minuten, die Vergleichsgruppe 20:33. Also viereinhalb Minuten länger — bei schlechterer Qualität und Genauigkeit.

PowerPoint-Folien: Die Copilot-Gruppe war mit 10:47 gegen 18:30 Minuten deutlich schneller, gut sieben Minuten. Ebenfalls bei schlechterer Qualität und Genauigkeit.

Der Satz, der beides zusammenfasst, steht zwei Seiten weiter und ist von einer Behörde bemerkenswert offen formuliert: „We did not find robust evidence to suggest that time savings are leading to improved productivity."

Man kann das auf zwei Arten lesen. Die bequeme Lesart: gespart ist gespart, sieben Minuten sind sieben Minuten. Die unbequeme: Wenn die Folien in der Hälfte der Zeit fertig sind, aber jemand sie danach noch einmal durchsehen muss, ist die Zeit nicht gespart, sondern verschoben. Sie taucht nur an einer Stelle wieder auf, an der niemand mehr die Uhr laufen lässt.

Dazu passt eine zweite Zahl aus demselben Bericht: 22 Prozent der Befragten haben während des Versuchs Halluzinationen bemerkt — also Ausgaben, die plausibel aussahen und falsch waren. 43 Prozent haben keine bemerkt. Was davon beruhigender ist, hängt davon ab, wie genau man hinschaut.

Und noch eine: Im Schnitt haben 21 Prozent der Lizenznehmer Copilot täglich benutzt, 30 Prozent, wenn man Wochenenden und Feiertage herausrechnet. Wöchentlich waren es 64 Prozent. Ein Werkzeug, das Stunden automatisiert, würde man häufiger anfassen.

Jetzt der Teil, den der LinkedIn-Beitrag ebenfalls nicht erwähnt, obwohl er die eigentliche Nachricht ist: In derselben Untersuchung schneidet Copilot bei anderen Aufgaben gut ab. Besprechungen mitschreiben und zusammenfassen, Recherchen verdichten, Entwürfe anlegen, Code durchsehen — dort lag die Zufriedenheit hoch, insgesamt bei 72 Prozent. Besonders deutlich fiel der Nutzen für neurodivergente Beschäftigte aus, für Menschen mit Behinderung und für alle, die nicht in ihrer Muttersprache arbeiten.

Das ist kein kleines Ergebnis. Es ist nur ein anderes als das versprochene.

Der Unterschied liegt im Verb. „Automatisiert" heisst: läuft ohne mich. „Entwirft" heisst: fängt für mich an, und ich mache weiter. Copilot ist gut im Anfangen. Beim Fertigwerden wird es teuer, und zwar genau in den beiden Anwendungen, die sich am besten bebildern lassen.

Als Fussnote noch eine Kleinigkeit, die den Abstand zwischen Ankündigung und Alltag ganz gut beleuchtet: Die Tabellenfunktion =COPILOT(), im vergangenen Jahr als Formel für Excel angekündigt, wird am 14. September 2026 abgeschaltet. Sie hat es nie in die allgemeine Verfügbarkeit geschafft.

Es spricht nichts dagegen, Copilot zu benutzen. Es spricht einiges dagegen, ihm die Arbeit zu überlassen, bei der es darauf ankommt, dass die Zahlen stimmen.

Die Evaluation des britischen Handelsministeriums

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